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Rudi Meisel

wurde 1949 in Wilhelmshaven geboren. Seine Kindheit und Jugend verbringt er in Osnabrück. Von 1969 bis 1975 studiert er bei Otto Steinert und Erich von Endt an der Folkwangschule in Essen. Seit 1971 veröffentlicht Meisel S/W-Portraits und Features als Einzelbilder in deutschen Wochenzeitschriften wie Spiegel und Zeit sowie seit 1978 Farbportraits für art, Geo, stern, Life, Time, Newsweek, Economist, Merian, Emma, Wirtschaftswoche und andere. 1975 gründet er mit André Gelpke und Gerd Ludwig die Agentur VISUM , die erste Fotografenagentur der Bundesrepublik Deutschland, die den Fotografen gehört und ihnen das Copyright belässt.

Von 1978 bis 1989 ist Meisel DDR-Reisekorrespondent für das ZEITmagazin. Darüber hinaus entstehen ab 1979 freie Arbeiten zum Thema Alltag in BRD und DDR wie z.B. "Wie lebt man im Ruhrgebiet", Ausstellung und Katalog, Museum Folkwang Essen, 1981; "Städte, die keiner mehr kennt", Reportagen aus der DDR, Hanser Verlag, 1986. Von 1980 bis 1990 ist Meisel unter anderem auch für Kampagnenaufträge namhafter Werbeagenturen tätig. 1986 erfolgt seine Berufung in die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh). Von 1988 bis 2003 hat er Lehraufträge und leitet Workshops für Bildjournalistik und Fotografie, unter anderem an der FH Dortmund, der Hochschule für Kunst und Gestaltung Zürich, der Hamburger Akademie für Photographie und der Fotoschule fas, Fotografie am Schiffbauerdamm, Berlin. Von 1994 bis 1999 arbeitet Meisel an der Fertigstellung einer fotografischen Dokumentation über den Umbau des Reichstagsgebäudes, für Foster + Partners, London und Berlin sowie stern, Hamburg; das stern-Buch "Die Kuppel der Nation - der Reichstag und seine Verwandlung" erscheint. Seit 2002 beschäftigt sich Meisel mit Architektur-, Portrait- und Reportagefotografie, vor allem in London, Berlin, Hamburg, Rom und Düsseldorf. Der Fotograf ist Dozent an der Ostkreuzschule für Fotografie, Berlin.

Arbeitsreisen und Ausstellungen führten und führen Rudi Meisel rund um die Welt. Seine Arbeiten sind in zahlreichen Museen und Sammlungen vertreten und wurden mehrfach, national und international, ausgezeichnet. Rudi Meisel lebt in Berlin.



Leben in den Städten


Rudi Meisel zählt zweifellos zu den Meistern der Straßenfotografie. Zwischen 1999 und 2009 bereiste und fotografierte Rudi Meisel zahlreiche Großstädte Europas und der USA, unter anderem New York, Rom, Budapest, London und Berlin. Entstanden sind Momentaufnahmen des Alltags, intime, komische und anrührende über Asphalt und Pflasterstein, zwischen Häuserwänden und Autos, vor Konsumtempeln und Cafés, auf Brücken, an Bahnhöfen und Straßenschluchten. In den seltsam zeitlos wirkenden Aufnahmen eines ganz bestimmten, einmaligen Augenblicks verbinden sich Reportage-, Portrait- und Architekturfotografie gleichermaßen zu einem Dokument des urbanen Lebens und universellen Menschseins. Der Zufall ist in seinem schönsten und kostbarsten Moment eingefroren. Mit wachen Augen und Händen, der sensiblen Wahrnehmung von Menschen und dem Gespür für das Besondere im Trivialen sind Rudi Meisel Bilder gelungen, die Geschichten erzählen. Fotografien, die den Betrachter mitnehmen, verwirren und bezaubern.


Über Straßenfotografie sagt Rudi Meisel:

Alles zufällig.
Ich lasse mich treiben, bewege mich intuitiv, ungeordnet und unvorhersehbar, nicht hektisch, nicht aggressiv: flanierend. Entscheide mich unmittelbar, an Leuten dran zu bleiben, einen ruhigen Moment aufzubauen, mich im Gleichklang, Gleichschritt, in gleichem Abstand zu bewegen. Ich sehe, suche, fotografiere zuerst meinesgleichen, erwarte den Zufall. Oft vergebens. Willy Ronis sagt es treffend: "Ich verhandle mit dem Zufall." Ich suche das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen, nicht wie ein Fotojournalist, der das WerWoWasWann erfasst. Ich bin zuerst einmal nur neugierig, will das wirkliche Leben erkunden, laufe viel, beobachte still, setze oft zum Bild an. Die Anonymität der Großstadt hilft dabei. Mein Blick sucht nach Zufällen, nach den großen Dingen und den kleinen Dingen zugleich, dem Großen im Kleinen, nach parallelen Geschichten direkt vor meinen Augen, der zarten Berührung im großen Fluss, der Zweisamkeit und Ruhe in der bewegten Masse, das Dörfliche in der Metropole, inmitten des Lauten und Bewegten der übrigen Welt, mit sich und der Welt allein, so wie ich, der Voyeur, der Beobachter mit einer Fotokamera. Sich offen und deutlich, langsam und freundlich den Menschen nähern, nicht auflauern und belauern, nicht heimlich und verdeckt beobachten. Wenn ich in Haltung und Ausdruck klare Signale des Missfallens spüre, lasse ich sofort mit dem Ausdruck eines Verlierers von meinem Vorhaben ab. Zu verbalen Ablehnungen lasse ich es erst gar nicht kommen. Frei den Kopf, nicht gedankenschwer. Wach, nicht fixiert - sammelnd, nicht jagend.


(Quelle: VISUM, homepage)



Mit Rudi Meisel stellt die loftgalerie nach Gerd Ludwig (Tschernobyl - Leben mit einer Tragödie, 2009) einen weiteren VISUM-Mitbegründer aus.




Dr. Enno Kaufhold, freier Fotohistoriker, Berlin.

Jahrgang 1944, Studium der Kunst- und Fotogeschichte, freischaffend tätiger Fotohistoriker, -kurator und -publizist in Berlin. Zahlreiche Zeitungs-, Zeitschriften-, Katalog- und Buchtexte sowie eigenständige Buchpublikationen zur Fotografie, zuletzt über Martin Munkacsi und zur Luftbildfotografie in Berlin. Schreibt seit 1989 regelmäßig für die Photonews. Lehrbeauftragter für Fotogeschichte an der Fachhochschule Bielefeld und Lehrer an der Ostkreuzschule für Fotografie und an anderen Fotoschulen.



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